Wenn Du nicht raus kannst, gehe nach Innen

von Sabine Rossbach
Es sind bedrückende Zeiten, die uns in vielen Bereichen unseres Lebens einschränken. Die uns auch daran hindern, gemeinsam zu trainieren. Gerade für diejenigen, die noch relativ am Anfang stehen stellt sich die Frage: "Wie kann ich weitertrainieren, wenn ich keine Korrektur durch meinen Lehrer bekomme? Wie komme ich in der Form weiter oder festige schon gelernte Bilder? Wie schaffe ich es, auf engstem Raum im Wohnzimmer oder auf dem Balkon sinnvoll zu Üben?" Auf einige der Fragen gibt es eine Antwort: "Wenn Du nicht raus kannst, gehe nach Innen."

Das Üben daheim ist eine gute Gelegenheit, sich mehr auf die inneren Zusammenhänge zu konzentrieren, als auf das Abschauen und Erlernen weiterer Bilder. Richtet sich Aufmerksamkeit nach innen, profitieren wir für jeden weiteren Schritt, den wir in unserem Taiji Quan machen wollen. Während wir im Unterricht versuchen alles gleichzeitig richtig zu machen, können wir jetzt den Fokus nacheinander auf einzelne Aspekte legen. Gerne teile ich mit euch, wie ich das daheim mache.

Seidenübungen
Die Seidenübungen brauchen so gut wie keinen Platz und sind überall durchführbar. Gerne nutze ich die Zeit des Übens alleine dazu, mich nacheinander jeweils auf einen Aspekt zu fokussieren. Den Kreis, das Timing von Gewichtsverlagerung und Armbewegung, den Abstand und die Position der Hände, die Ausdehnung in die Fingerspitzen, das Sinken, das Führen der Bewegung aus dem Zentrum. In einem zweiten Durchlauf erst versuche ich alles in einem Fluss zu kombinieren.

Einzelbilder der Form
Egal ob Sizeng oder Yilu. Beide Formen haben Bilder, die wenig Platz brauchen und einzeln geübt werden können. Auch hier ist das Üben zu Hause eine gute Gelegenheit sich mit einem Bild und verschiedenem Fokus zu beschäftigen. Die Suche nach dem Kreis in jedem Teil des Bildes. Wie würde der Kreis weitergehen, wenn ich jetzt nicht die Arme aufeinanderlegen würde? Ich probiere es aus und lasse die Arme weiterkreisen. Erst dann kombiniere ich Gewichtsverlagerung oder Schritt dazu. Die Aufmerksamkeit geht wieder nach Innen. Laufen die Schultern frei? Gibt es irgendwo Blockaden? 

Gerade die letzte Frage muss ich in Homeoffice Zeiten leider meist mit "Ja" beantworten. Ich verändere den Bewegungsablauf, die Zentrierung, das Lösen im Inneren so lange, bis ich eine Besserung spüre. Danach wird das Bild in einzelne Sequenzen zerlegt, in denen ich das Timing von Arm- und Beinarbeit überprüfe. In den allermeisten Fällen fühlt sich das Bild danach "richtiger" an. 

Der bewegte Schritt
Auf engem Raum müssen wir nicht auf einen fließenden Durchlauf der Form verzichten. Mit dem "bewegten Schritt" lässt sich der gesamte Ablauf der Sizeng Form mit intensiver Schrittarbeit üben. 2x2m Platz reichen für die gesamte Form, wenn man aus jeder Gewichtsverlagerung einen Schritt macht. Ich habe das seit langer Zeit nicht mehr geübt und es ist zunächst etwas ungewohnt gegenüber der Form, wie wir sie im Unterricht ausführen. Aber recht schnell finde ich mich ein und richte den Fokus erst auf den Bewegungsfluß und danach auf die Qualität der Beinarbeit.

Die Gemeinschaft der Pagode Online
Wenn ihr am Anfang steht, kommen euch beim Üben sicher immer wieder Fragen. Wie war das richtige Timing noch mal? Habe ich das Bild noch richtig im Kopf? Und was meint sie eigentlich genau mit dem "Bewegten Schritt"? Wie war das noch mal mit der Ausdehnung in die Fingerspitzen? Damit ihr damit nicht alleine steht, hat die Pagode sich einiges einfallen lassen. Exklusiv für die Pagodemitglieder hat Dietmar viele kleine Lehrvideos eingespielt, mit denen ihr die Seidenübungen, die einzelnen Sequenzen der Sizengform und auch den "bewegten Schritt" anschauen und wiederholen könnt. Auch für die Fortgeschrittenen gibt es inzwischen einen wertvollen Fundus an Informationen und Lehrsequenzen zur Yilu und vielen weiteren Themen. Meldet euch dazu im Mitgliederbereich an. Nach Freigabe könnt ihr euch dann alle Videos ansehen. Bitte beachtet die Nutzungsbedingungen.

Für individuelle Detailfragen bietet die Pagode die Möglichkeit, donnerstags an einer Videokonferenz teilzunehmen. Wenn ihr eure Fragen vorher an Dietmar schickt, kann er sie strukturiert mit euch durchgehen. Der weitere Vorteil: ihr trefft dort eure Mitschüler wieder.

Ich freue mich schon ungemein, euch in der Pagode oder auf den Seminaren wieder zu treffen. Wir brauchen jetzt nur Geduld und (leider) Abstand.