Omar Capoeira 01cultura martialis: Ab wann wurde Capoeira in Brasilien öffentlich bzw. offiziell als Kampfkunst praktiziert?

Omar de Conceição: Das war 1936 durch Mestre Bimba. Heute unterscheiden wir aber zwei Capoeira-Stile, das ursprüngliche Capoeira Angola und das neuere Capoeira Regional, gegründet von Mestre Bimba. Ich unterrichte Capoeira Regional. Er schuf das Capoeira Regional, da er der Meinung war, das damalige Capoeira Angola sei zu weich geworden und biete zu wenig Möglichkeiten zur Selbstverteidigung. Er mischte verschiedene Stile, z. B. auch das Batuque und unterrichtete erstmals privat in kleinen Gruppen. Die Unterschiede zwischen beiden Stilen sind nicht groß, Capoeira Regional ist vielleicht etwas schneller, härter und akrobatischer. Capoeira Regional hat sogenannte Sequencias, vergleichbar mit den japanischen Kata und diverse Wurftechniken. Das sind so die wesentlichen Unterschiede zwischen  beiden Capoeira Stilarten.

cultura martialis: Capoeira Angola ist aber der ursprüngliche Stil?

Omar de Conceição: Ja. Es gab vor 1936 nur das Capoeira Angola, dies war der Urstil.

Omar Capoeira 02cultura martialis: Wurde Capoeira Angola von den verschiedenen Mestre immer gleich ausgeführt oder gab es dort auch  wieder Unterscheidungen?

Omar de Conceição: Nein, das Capoeira Angola war von Mestre zu Mestre gleich. Unterschiede gab es und  gibt es aber bei der Musik, die ja eine wesentliche Rolle im Capoeira spielt. Dort pflegt jeder Mestre eine individuelle Spielart.

cultura martialis: Wie kam das Capoeira nach Europa?

Omar de Conceição: Was das Capoeira in Europa anbelangt, so ist hier das Capoeira Regional maßgebend, da dieser Stil mit den brasilianischen Folkloregruppen verbreitet wurde, die zu früheren Zeiten durch  z. B. Deutschland tourten. Capoeira Angola hatte diesen Zugang nach Europa nicht. Capoeira Angola ist heute etwas gemächlicher und spielerischer, früher hatte aber jeder Mestre auch beim Capoeira Angola sogenannte "Kriegsspiele" wie wir sie heute im Capoeira Regional praktizieren, d. h. den Gegner zu analysieren, Techniken anzubringen, Finten anzutäuschen etc. In Brasilien selbst geht es eher ums Kämpfen, bei uns in Europa zunehmend um Körpergefühl, Balance, das Gefühl von Gemeinsamkeit - Omar Capoeira 03die Kampfkunst folgt dann eher in zweiter Instanz, wie das ja auch  bei vielen asiatischen Kampfkünsten  der Fall ist, zuerst die Basis, dann die weiterführenden Techniken. Man muss sich nach und nach anpassen, Capoeira ist ja auch sehr anstrengend, da muss man den Körper und den Geist erstmal langsam darauf einstellen.

 

Vollständiger Artikel in cultura martialis Heft Nr. 7 

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