Heft04 Academie 01

Eine Einführung in Gérald Thibaults Académie de l´Espée. Die Beziehung, die zwischen den asiatischen Kampfkunstarten und westlichen Kampfkunstarten herrscht, wurde im Verlauf dieses Jahrhunderts auf unterschiedlichste Weise interpretiert. Arthur Conan Doyle beschrieb 1887 eine Spielart des Jujutsu einfach als "Japanisches Ringen" und brachte somit indirekt seine Ansicht zum Ausdruck, dass asiatische und europäische Kampfmethoden in dieselbe Oberkategorie eingeordnet werden können, egal, welche technischen Unterschiede bestehen mögen. Im Gegensatz dazu wurden dann zur Mitte des 20. Jahrhundert hin die asiatischen Kampfkunstsysteme als etwas angesehen das in irgend einer Form mit der "östlichen Weisheit" der spirituellen Traditionen Asiens zusammenhing und sich somit radikal von allem unterschied, was westliche Kulturen anzubieten hatten. Im Zuge dieser Auffassung wurde der Begriff "Kampfkunst" zum Schlagwort. Bis vor kurzem wurde er fast ausschließlich dazu benutzt, um die aus Ostasien stammenden Kampfsysteme zu bezeichnen.

Heft04 Academie 02In jüngster Zeit ist das Pendel bis zu einem gewissen Grad zurückgeschwunden. Viele der Fehlinformationen und Missverständnisse in Bezug auf die asiatischen Kampfkünste, ganz zu schweigen von  den asiatischen spirituellen Traditionen, konnten aus dem Weg geräumt werden, seit die Künste im Westen an Bekanntheit zugenommen haben. Parallel dazu erkannte man, dass westliche Kampfsysteme im Mittelalter, in der Renaissance und in frühen modernen Perioden vieles mit ihren asiatischen Gegenstücken gemein hatten.

Einer der Unterschiede zwischen Ost und West, der bis vor kurzem als eindeutig gegolten hatte, steht in Zusammenhang mit dem Vorhandensein von Kampfsystemen, die philosophische und spirituelle Grundlagen haben. Missverständnis oder nicht, viele asiatische Kampfkunstarten fallen  in diese Kategorie. einige davon, beispielsweise Taijiquan und andere chinesische Künste der neijia (oder "inneren Schule") leiten vieles in  ihrer Theorie und Praxis von spirituellen Lehren ab, während in der westlichen Welt derartige Verbindungen als  nicht existent galten.

Die Situation hat sich in der letzten Zeit durch die Entdeckung dass zumindest ein europäisches Kampfsystem starke Verbindungen zu mystisch-okkulten Lehren aufwies, radikal verändert. Diese Entdeckung verdanken wir Joy Hancox, deren Untersuchung einer Tradition mystischer Geometrie sie zum Kern des enigmatischsten Textes in der Geschichte der westlichen Fechtkunst führte, nämlich Gérald Thibaults Académie de l´Espée (etwa: "die hohe Schule des Schwertes"), das im Jahre 1628 erstmals erschienen ist.

Vollständiger Artikel in cultura martialis Heft Nr. 4 

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