Yiquan 01cultura martialis: Was für eine Bedeutung haben die von Ihnen bestrittenen Wettkämpfe für Sie?

Yao Chengron: An den Turnieren wollte ich das Niveau meines gongfu überprüfen. Ich wollte sehen, ob ich das, was ich mir in der Basis antrainiert hatte, im Kampf auch wirklich  herausbringen und entfalten konnte.

cultura martialis: Unterscheidet sich Ihr persönliches Yiquan von dem Ihres Vaters oder von Wang Xianzhai?

Yao Chengron: Ja, es gibt Unterschied, Yao Zongxun fasste das von Wang Xiangzhai Stammende zusammen und rundete es ab. Wang Xiangzhai bildete sozusagen die  Basis, auf der Yao Zongxun ausgebaut hat. Wang Xiangzhai hat vor allen Dingen die Gesamttheorie des Yiquan auf  einen sehr  hohen Grad entwickelt. Yiquan 02Die Theorie, die Prinzipien und die ganzen Konzepte hat er aber nicht nur für das Yiquan auf einen hohen theoretischen Stand  gebracht, sondern für das Gebiet der Kampfkunst überhaupt. Yao Zongxun setzte das, was Wang Xiangzhai in Worte gefasst hat, in die Tat um. Er schälte, kristallisierte und, vor allen Dingen, trainierte die "Philosophie" heraus. Zusätzlich ließ Yao Zongxun aber auch  Neues mit einfließen. Er trainierte das Yiquan physiologisch, so dass es sich mehr gewöhnlichen Körperbewegungen annäherte, als gewissen [unnatürlichen, Anm. d. A.] Verrenkungen wie sie im Traditionellen zu finden  sind. Vieles entnahm er aus dem Bewegungsmaterial anderer Sportarten, zum Beispiel aus dem Fußball die Fußtechnik danjiao. Des Weiteren schaute er dem Fußball ab, wie, wenn zwei im Spiel "aneinander krachen", sie dabei gegenseitig Kraft aussenden, also auch baofali verwenden. In seinem Verständnis ließ sich Yiquan auf  viele Sportarten übertragen. Als Beispiel das Prinzip, dass Körper und Kraft eine Einheit  werden müssen (yinian und baofali entwickeln).

Yiquan 03Diese Trainingsmethode des Yiquan, den Körper [die  Gliedmaßen und mit ihnen die Nerven und Muskeln, Anm. d. A.] und Geist zu verbinden, hat er in  anderen Sportarten reell angewandt und  sie anderen Leuten vermittelt. Dabei beschränkte er sich nicht  auf  das Kämpferische, sondern bezog alle anderen Aspekte mit ein. Die Erfolge waren  auch immer deutlich zu  sehen, denn die Betreffenden wurden in Ihrer Sportart besser. Diese Theorie, diese innere Kraft des Wushu ebenfalls auf  andere Bereiche zu übertragen, war etwas vom Nennenswertesten was mein Vater getan hat. Des Weiteren arbeitete man bei Wang Xiangzhai noch fest, das heißt, im ruishou gab es bloß diesen dingbu, nicht den bewegten Schritt. Bei Yao Zongxun kam dann Bewegung ins tuishou. Außerdem floss das Yiquan in den heilerischen, medizinischen und vor allem psychologischen Bereich, da es eine ausgleichende Wirkung hat.

Vollständiger Artikel in cultura martialis Heft Nr. 8 

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