Als ich vor einigen Jahren meinem Lehrer vorschlug ein 5-Tage Seminar bei uns in der Region ins Leben zu rufen, das heutige „Chen Taijiquan Xiaojia Herbstcamp“ war mir nicht bewusst, welchen Einfluss dies auf das Leben eines Mannes aus Südspanien haben würde, den ich heute sehr schätze und zu meinen Freunden zähle. Und der umgekehrt mit seinen Ideen, seiner inneren Stärke, seiner Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft für mich zu einer Inspiration wurde.

In einem Gespräche lassen wir Euch ein wenig an seiner Geschichte in unserer Schule der „Pagode“ teilhaben.

Annemarie Leippert

Taijiquan 12 Alberto 02Zunächst einmal, stell Dich uns bitte vor und erzähl uns wie Du die Schule “Die Pagode” kennenlerntest.

Ich heiße Alberto Barroso und lebe im Süden von Spanien. Schon von je her haben mir die Kampfkünste gefallen. In meiner Jugend habe ich in der Schweiz zwanzig Jahre lang Karate praktiziert, vier davon als Lehrer (Anmerkung: Albertos Eltern emigrierten in den französischsprachigen Teil der Schweiz als er 11 wahr).

Wenn man jung ist kann man diese Disziplin besser ausüben da man mehr Energie und physische Kraft hat. Als ich nach Spanien zurückkehrte fing ich zunehmend an mein Training aus beruflichen Gründen aufzugeben. Zu dieser Zeit erzählte mir jemand vom Taijiquan, diese Person war Taijiquanlehrerin. Damals begann ich damit mich dafür zu interessieren und darüber zu recherchieren. Am Anfang dachte ich es sei wie Karate nur mit langsameren Bewegungen. Aber nach und nach erklärte man mir, dass es innere Arbeit sei, keine externe wie ich sie bisher kennengelernt hatte, und dass sich hinter den langsamen Bewegungen des Taijiquan mehr als nur ein langsamer harmonischer Bewegungsablauf versteckt.

In Spanien praktizierte ich dann drei Jahre den Yang Stil. Aber nachdem ich so eine lange Zeit Karate trainiert hatte, erschien mir der Yang Stil sehr weich. Zu dieser Zeit fand ich beim Recherchieren im Internet die Webseite der Pagode, die erfreulicherweise in Spanisch geschrieben war, und auf der ein 5-Tage-Seminar im Herbst angeboten wurde.

Sehr wenigen wagen ein Abenteuer in einem weit fortgeschrittenen Alter, Du aber hast es riskiert mit 59 Jahren in ein Land zu gehen, dass Du kaum kanntest um dich im Taijiquan auszubilden zu lassen, warum? Was bewog Dich Bequemlichkeit und Routine zu verlassen und dieses Wagnis einzugehen?

Der Chen Stil erschien mir kämpferischer als der Yang Stil. Und hinzukam, dass ich schon immer die deutsche Sprache lernen wollte, schon als ich noch in der Schweiz lebte.

Ich hatte zwei Themen die mich bewegten, die Sprache und einen kämpferischeren Taijiquan Stil. Die Sprache konnte ich schon ein bisschen.

Das Seminar im Herbst erlaubte mir den Chen Stil kennenzulernen, und zu prüfen ob es das war was ich suchte. Also meldete ich mich an, und am Tag meiner Abreise nach Deutschland verhinderte ein Fehler der Flughafenorganisation am Abflug-Gate, dass ich meine Reise antreten konnte. Nach diesem Zwischenfall wollte ich mein Vorhaben nicht abbrechen, und ich beschloss einen einfachen Hinflug ohne Rückflug zu buchen. Zwei Wochen später flog ich nach Deutschland mit dem Vorhaben ein Jahr dort zu bleiben, wenn es mir gelang eine Arbeit zu finden um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich fand sie.

In Spanien warst Du selbstständig, hier jedoch warst Du bereit jegliche Form von Arbeit zu akzeptieren. Welche Arbeiten übtest Du aus als Du in Deutschland warst?

Ja das stimmt, ich hatte einen Heilkräuterladen, aber etwas in mir wollte Aussteigen und etwas Neues erleben.

Meine erste Arbeit fand ich in einer Reinigungsfirma. Es war eine sehr anstrengende Arbeit, sowohl was die unregelmäßigen Arbeitszeiten betraf als auch den physischen Aspekt. Als ich zu den Trainingsstunden ging war ich sehr müde und oft hatte ich Gelenksschmerzen. (Anmerkung: Alberto stand nicht selten zwischen 4:00 und 5:00 Uhr morgens auf um dann in voller Schutzmontur den ganzen Tag große Produktionsmaschinen zu reinigen, oder auch mal Erde zu schaufeln. Er fehlte trotzdem so gut wie nie beim Training, welches vier Mal die Woche abends bis 22:00 Uhr oder 22:30 Uhr, und an diversen Wochenenden stattfand.)

Als ich das Jahr in der Pagode abgeschlossen hatte, stellte ich fest, dass diese Zeit nicht ausreichend war, und dass ich mindestens noch ein weiteres Jahr des Übens benötigen würde. Ich versuchte den Arbeitsplatz zu wechseln. Nachdem ich 1,5 Jahren als Reinigungskraft gearbeitet hatte, schlug man mir vor mich um einen älteren Menschen zu kümmern, was ich sehr gerne annahm da es eine Verbesserung meiner Arbeitssituation darstellte, und es mir erlaubte ausgeruhter zum Training zu erscheinen.

Waren die fehlenden Sprachkenntnisse ein Nachteil für Deine Taijiquanausbildung?

Ja, das war tatsächlich eine sehr beschwerliche Situation, ich konnte etwas Deutsch aber nicht genug. Zum Glück sprachst Du Anny perfekt Spanisch. Deine Übersetzungen von Dietmars Erklärungen halfen mir die Techniken zu verstehen. Obwohl man auch viel durch das Beobachten lernt. Außerdem halfen mir auch einige Schüler mir ihren Übersetzungen ins Französische.

Siehst Du Deine Erwartungen erfüllt? Hast Du das gefunden was Du gesucht hast?

Meine Erwartungen haben sich in hohem Maß erfüllt, aber ich bin mir auch darüber bewusst, dass zwei Jahre nicht viel sind, in anderen persönlichen Umständen wäre ich länger geblieben. Ich muss sagen, dass ich mit der Auswahl der Schule einen Treffer erzielte. Alle nahmen mich warmherzig auf, die Atmosphäre war sehr angenehm. So dass ich eine sehr gute Zeit verbrachte, in der ich mit einem selbstlosen Lehrer trainieren konnte, der sehr kompetent, und ein guter Mensch ist. Und dann war da noch das gute deutsche Bier.

Was gibt Dir das Taijiquan, was Dir das Karate nicht gibt.

Auf der einen Seite, auf emotionaler Ebene bringt es mir Frieden und Ruhe, ausgehend von einer kompletten Philosophie bezüglich des Universums in dem alles Yin und Yang in stetiger Bewegung ist. Auf der anderen Seite, physisch gesehen, fühle ich mich flexibler, und meine Gelenke haben sich bemerkenswert gebessert.

Wie gestaltete sich Dein Prozess der Integration in der Pagode?

Es fiel mir leicht mich in den Rhythmus des Trainings einzugliedern, und das Konzept des Taijiquans der Schule gefiel mir sehr gut. Die fehlende Sprachkenntnis behinderte mich jedoch bei einem schnelleren Vorankommen. Es hätte mir gefallen mich fließender mit meinen anderen Mitschülern unterhalten und Erlebnisse teilen zu können, aber ich fühlte mich ein bisschen verloren was die Beziehungen zu den anderen betraf. Nicht in ein Gespräch mit einsteigen zu können ließ mich außerhalb des sozialen Umfeldes stehen. Nur der Umstand französisch sprechen zu können half mir, mich mit einigen der Schüler unterhalten zu können, die diese Sprache beherrschten. Ich bin dankbar für Ihre große Geduld.

Taijiquan 12 Alberto 05Was ist für Dich Taijiquan?

Gute Frage. Wie kann man Taijiquan erklären? Nun damit beginnend, dass alles Yin und Yang ist, und dass das Universum durch diese beiden Pole ausgeglichen wird, finden wir sie auch in unserem täglichen Leben wieder. Es ist das sich bewusst sein dieser beiden Polaritäten im Alltag. Es ist ein Stadium der Klarheit, eine Art das Leben zu leben.

Was sind Deine Projekte in Spanien?

Es würde mir gefallen eine Schule in meiner Stadt zu eröffnen und bei der Verbreitung des Chen Stils mitzuwirken. Ich fühle mich in der Verpflichtung all das weiterzugeben was mir Meister Dietmar beigebracht hat. Leider ist die ökonomische Situation in Spanien derzeit nicht geeignet eine Schule aufzubauen. Ich hoffe, dass sich die wirtschaftliche Situation für den einfachen Bürger bald verbessert. Bis dahin trainiere ich in einem Park, zusammen mit meiner Lebensgefährtin, die auch mit Taijiquan begonnen hat. Manchmal schließen sich uns einige unserer Freunde zum Training an. Nach und nach werden wir eine Gruppe formen, und wenn ich dann einen Trainingsraum finden sollte, werden wir schon eine gewisse Anzahl von Leuten sein.

Hast Du vor Dich weiter in Deutschland fortzubilden?

Ja natürlich, immer dann wenn es mir möglich ist, werde ich zu den Herbstcamps und in die Pagode kommen. Wenn man vorankommen möchte muss man fortfahren zu trainieren, es ist eine Voraussetzung in allen Disziplinen die man ausübt.

Gibt es in Deiner Stadt ein Interesse für das Praktizieren des Taijiquans?

Nein, überhaupt nicht! Hier in Huelva stehen die Menschen Neuem, und dem was von Außen kommt sehr verschlossen gegenüber. Das ist eine Tatsache für die asiatischen oder indischen Disziplinen wie z.B. Yoga, chinesische Medizin, Akkupunktur, Qigong oder Taijiquan. Genau so erging es vor 30 Jahren dem Judo, Karate und Aikido, Disziplinen die sich heute in der Bevölkerung etabliert haben. Ich vertraue darauf, dass ich nicht so lange warten muss...

Nun es war mir eine Freude, ich danke Dir dass Du mir die Zeit für das Gespräch gewidmet hast, und wünsche Dir viel Glück für die Zukunft.

Danke Anny, die Freude war ganz auf meiner Seite. Ich hoffe Dir bald die Nachricht schicken zu können, dass ich eine Schule eröffnet habe. Vielen Dank an alle.

 

Asperger Autismus stellt für Betroffene eine starke Beeinträchtigung dar, vor allem für den Umgang mit den Menschen um sie herum. Oft fühlen sie sich wie "Außerirdische auf einem fremden Planeten". In einem Gespräch wird der positive Einfluss des Taijiquan Trainings auf diese Problematik dargestellt. Mein Gesprächspartner möchte dabei jedoch anonym bleiben, da es sich hier um sehr persönliche Schilderungen handelt.

Annemarie Leippert

Asperger 01Leippert: Du bist jetzt schon seit einigen Jahren Schüler in der Pagode. Was hat Dich dazu bewogen mit Taijiquan zu beginnen?

Anonym: Die Neugier. Als ich anfing hatte ich im Grunde keine Ahnung, was Taiji wirklich ist. Ich hatte während des Studiums kurz mit asiatischen Kampfkünsten Kontakt gehabt und das hatte mir gefallen, aber sonst hatte ich überhaupt keine Ahnung.

Leippert: Du bist mit besonderen Voraussetzungen zu uns gekommen, die sowohl uns als Lehrer und Mitschüler als auch Dich selbst vor eine ziemliche Herausforderung gestellt haben. Kannst Du uns ein bisschen dazu erzählen?

Anonym: An dieser Stelle erst einmal Danke, dass Ihr es mit mir ausgehalten habt. Ich bin Asperger Autist, wurde aber erst im Erwachsenen Alter diagnostiziert. Mir fehlt der natürliche Filter, der es anderen erlaubt irrelevante Informationen auszublenden und Informationen richtig einzuordnen - gerade so Dinge wie Mimik, Ironie, etc. bedeuten für mich Schwerstarbeit, die ich hart üben und lernen muss.

Bevor ich zum ersten Training kam, hatte ich Herrn Stubenbaum per email kurz geschildert, dass ich mir mit Fremden und Neuem ziemlich schwer tue ohne die Krankheit zu erwähnen, seine Antwort war das wäre schon in Ordnung und in der Schule wären viele nette Leute, ich solle doch einfach mal vorbei kommen. "Taijiquan stellt sicher eine gute Disziplin dar um für sich so manches zu entdecken".

Als ich in "Die Pagode" kam, war ich dann aber die ersten Monate mit den vielen mir fremden Menschen, dem neuen Raum, den vielen Bewegungen etc. total überfordert, so dass ich ständig verkrampfte und mich in eine Ecke zurückzog um der Informationsflut zu entfliehen.

Leippert: Ich kann mich noch gut an den ersten Tag erinnern an dem Du zu uns kamst, und ich Dir die Basisbewegungen zeigen sollte. Schon nach den ersten Minuten war mir klar, dass das eine Herausforderung werden würde. Man durfte sich Dir maximal auf einen Meter nähern und Dich auf keinen Fall berühren, Du wirktest angespannt und furchtsam. Eine schnelle Bewegung lies Dich zusammenzucken und die Arme in Abwehr hochreißen. Ehrlich gesagt ich fühlte mich leicht überfordert, da ich bisher auch nie etwas über Asperger gehört hatte. Was bewog Dich damals trotzdem weiterzumachen?

Anonym: Nun ich denke wir mussten alle sehr viel lernen und ich bin froh dass ich die Chance bekam. Was mich bewog weiterzumachen. Ich denke genau kann ich es nicht sagen und ich war auch mehr als einmal kurz davor aufzuhören. Als erstes die Tatsache, dass keiner groß Aufheben um die Andersartigkeit gemacht hat, ich hasse es wenn Leute mich mit Samthandschuhen anfassen oder auf einen mit 1000 Fragen einstürmen. Und dann natürlich die Bewegung selber, ich liebe Kreise und alles was rund ist. Als letztes kommt dann noch die Tatsache dazu, dass man die ersten Monate sich erst einmal nur mit sich selber beschäftigen darf ohne großen Körperkontakt, welcher ja eine zusätzliche Informationsflut bedeutet.

Leippert: Du sagst dass Dir Kreise besonders gut gefallen. Geht das allen Aspergern so?

Anonymus: Vielen. Kreise haben etwas Beruhigendes und Faszinierendes - sie haben keinen Anfang und kein Ende. Kreise bzw. Rundungen sind auch in der Natur sehr häufig ... man nehme einen Apfel oder eine Tomate, oder auch die Planten und Sonnensysteme - OK unsere Planeten laufen auf Ellipsen aber auch die sind nur lang gezogene Kreise...in einem Kreis wirken an allen Stellen die gleichen Kräfte zum Zentrum hin. Mindestens genauso faszinierend ist die Kreiszahl Pi, die bis heute obwohl auf über 1 Millionen Nachkommastellen berechnet wurde noch keine Periodizität aufweist! Zu gut Deutsch ich kann mir nicht vorstellen, wie man nicht davon fasziniert sein kann.

Leippert: Was fasziniert Dich noch am Taijiquan und mit welchen Aspekten daran kommst Du nicht zu recht?

Anonym: Faszinieren tut mich die Ganzheitlichkeit, auch wenn es anfangs sehr schwer war mich auf die vielen neuen Begriffe und Denkweisen einzulassen, das hat wie Du weißt so manche lange Diskussionen gebraucht. Schwierig ist es vor allem wenn es um Sachen der Wahrnehmung geht, da meine Wahrnehmung sich manchmal deutlich von Eurer unterscheidet, so dass ich manche Begriffe erst mühsam in meine Wahrnehmung übersetzen musste und es gibt auch heute noch Begriffe, die nur theoretisch in meinem Wissen vorhanden sind, aber noch kein Pendant in meiner Wahrnehmung haben.

Während mir die Formen von Anfang an gefallen haben, ist Tuishou (oder schiebende Hände) nicht so wirklich meins - Berührungen bedeuten zusätzliche Informationen und somit Stress, so dass es sehr, sehr schwer ist die Prinzipien umzusetzen.

Auch Waffenformen stellen für mich eine neue Herausforderung dar ... erstens weil die Waffe in den Händen der Mitschüler eine neue Informationsquelle ist, die ich aber nach einer Weile ziemlich gut in Griff bekomme aber zweitens und das trifft vor allem auf Schwert und Säbel zu, weil die Klingen bei punktuellen Lichtquellen wie Fensterfronten bei hellem Sonnenschein oder Deckenbeleuchtung, durch die Rotation ständig irgendwo Reflexionen erzeugen, was besonders in "Spiegelsälen" ein regelrechtes Informationsgewitter auslöst.

Leippert: In der ersten Zeit, als Du die Formen gelernt hast, musstest Du immer aufhören sobald wir die Richtung änderten und Du dem Rest der Gruppe den Rücken zukehren solltest. Heute ist das nicht mehr so. Das ist nur ein Beispiel für eine Veränderung die mit Dir stattgefunden hat. Kannst Du uns beschreiben was sich in den letzten Jahren alles für Dich verändert hat? Nicht nur in Bezug auf das Training sondern auch in anderen Bereichen?

Anonym: Im Grunde sehr viel.
Erst einmal zum Aufhören bei Richtungsänderungen, da das für viele Leute wahrscheinlich nicht verständlich ist. Wenn man sich dreht ändert sich die Blickrichtung, d.h. die Informationen die auf einen einströmen.
Gleichzeitig ändert sich aber auch die eigene Position gegenüber anderen Personen, so dass die von diesen Personen ausgesendeten Informationen sich verändern - sind die Personen vor einem sind die Informationen eher visuell, sind sie hinter einem geht alles über das Gehör, teilweise je nach Boden auch über Vibrationen etc. d.h. die Art der Informationsverarbeitung muss jedes Mal neu angepasst werden.

Etwas was bei vielen Menschen automatisch funktioniert, ich aber erst einmal schrittweise lernen musste. Dadurch war ich gezwungen neue Strategien zur Informationsverarbeitung zu lernen, welche ich versuche, auch im Alltag umzusetzen, um so den Trainingseffekt zu erhöhen. Der erste Fortschritt ist, dass ich nicht auf jede kleinste Veränderung mit einer Abwehrreaktion reagiere, wodurch sich das Verhältnis zu meiner Umwelt immer mehr entspannt. Dadurch gewinne ich auch immer mehr an Selbstsicherheit, wodurch die Kommunikation mit meinen Mitmenschen leichter wird. Ungeplante und komplett neue Situationen überfordern mich aber immer noch restlos, dann merkt man mir den Asperger an.

Leippert: Aus unserer Wahrnehmung heraus zeigt sich bei Dir allerdings eine wirklich erstaunliche Veränderung ab. In der ersten Zeit hast Du Dich praktisch ständig in hockender Position in die Ecke verkrochen, heute kommt das nur noch selten vor, und auch nur dann wenn wir an einem ungewohnten Ort trainieren. Wir mussten ein Gefühl dafür entwickeln wie lange wir Dich dort in Ruhe lassen sollten, und wann wir Dich dort wieder herausholen konnten um weiter zu trainieren.

Das Krampfen hat deutlich nachgelassen, in letzter Zeit habe ich das gar nicht mehr bei Dir gesehen (für die Leser: dabei verkrampfen sich die Hände zu Fäusten und lassen sich nicht mehr öffnen).

Früher musste ich dafür sorgen, dass Dir die Mitschüler Raum lassen, also Abstand zu Dir halten. Es gibt Personen die nehmen solche Dinge gar nicht wahr und dann muss man ein bisschen eingreifen. Heute kommt das eher seltener vor, nur ab und zu wenn neue Leute hinzukommen, und bei etwas unsensiblen Menschen, die gar nicht mitbekommen dass Du mit ihrer Nähe ein Problem hast.

Anfassen und damit die Körperausrichtung korrigieren war nicht möglich, das konnte nur verbal erfolgen. Heute kein großes Problem mehr. Als das Anfassen nach und nach möglich war reagiertest Du mit Gegenspannung und Verkrampfung, heute schaffst du es nachzugeben, und Dich ausrichten zu lassen.

Tuishou war überhaupt nicht möglich, und auch wenn es Dir noch schwer fällt, Du kannst heute sogar mit völlig fremden Leuten Tuishou üben.

Eine Schwierigkeit ist immer noch, dass Du von selbst nicht sagst wann Du genug hast, sondern wir müssen erkennen wo die Grenze erreicht ist. Das ist Anfangs natürlich ein wenig schief gegangen, und Du warst oft überfordert. Inzwischen haben wir denke ich ein recht gutes Gespür dafür entwickelt.

Da Deine Wahrnehmung etwas anders geartet ist als unsere, Du kannst ja z.B. warm und kalt nicht unterscheiden, kann der Unterricht auch nicht auf Gefühl aufgebaut werden, sondern eher auf logischen Erklärungen. Nicht so ganz einfach auf den wichtigen Faktor Gefühl im Taijiquan verzichten zu müssen. Wir müssen spezielle Strategien für Dein Verständnis der Dinge entwickeln.

Du gehst heute auch viel gelassener auf Deine Mitschüler zu und sprichst mit ihnen, am Anfang hast Du Dich eher zurückgezogen.

Im Grunde hat sich alles entspannt zumindest was das Training in der Pagode betrifft. Du arbeitest ja als Ingenieur in einem großen Unternehmen, bekommst Du dort oder auch in Deiner privaten Umgebung Feedback zu den Veränderungen an Dir?

Anonym: Ja und das ermutigt zusätzlich. Wer mich heute in einer normalen Situation trifft muss genau hinschauen um festzustellen, dass ich Asperger bin, wodurch vieles unkomplizierter wird. Nicht, dass ich immer alles richtig einordnen kann und manches geht noch daneben, aber ich habe so viel dazu gelernt, dass es für Außenstehende nicht mehr gleich sichtbar ist, jetzt kann ich entscheiden, ob und wann ich jemandem sage, dass ich Asperger bin, vorher war es unmöglich. Aber auch von Kollegen und langjährigen Bekannten bekomme ich das Feedback, dass der Umgang mit mir unkomplizierter geworden ist.

Leippert: Was würdest Du jemandem raten, der Asperger unterrichten möchte?

Anonym: Wir Asperger sind sehr unterschiedlich sowohl im Grad der Behinderung als auch in unseren Fähigkeiten und in der Wahrnehmung, d.h.es gibt kein allgemeingültiges Konzept für das Training von Aspergern!

Asperger zu trainieren bedeutet, sehr viel mehr Aufwand als "normale" Menschen zu trainieren, das kannst Du gewiss bestätigen. Die ersten Monate und Jahre müssen Fragen und Zweifel beantwortet werden die "normale" Menschen so gewiss nie stellen. Da es immer wieder zu "Extremsituationen" für den Asperger kommen kann, sollte eine sehr sichere Atmosphäre geschaffen werden, nur so ist es möglich in kleinen Schritten die von Aspergern geliebten Routinen und immer gleichen Abläufe zu durchbrechen, was aber auch die Bereitschaft des Schülers voraussetzt. Wie Du schon sagtest einen Asperger zu unterrichten, stellt eine andere Herausforderung dar, die nur gelingt wenn der Lehrer extrem sensibel und flexibel ist. Ohne einen reichhaltigen Erfahrungsschatz und ein großes Wissen über das Taijiquan wird es nicht gelingen, das Training individuell auf die besonderen Bedürfnisse des Asperger Schülers anzupassen.

Leippert: Ich danke Dir für dieses offene Gespräch. Zum Abschluss möchte ich sagen, dass wir sehr froh sind Dich in unserer "Pagode-Gemeinschaft" zu haben. Das Aspergertum ist nur ein kleiner Teil von Dir, der einfach dazu gehört, der Rest ist ein mitfühlender, warmherziger und hilfsbereiter Mensch, den man nicht missen möchte.

Foto oben: Darstellung der Rückzugsposition wenn die Informationsmenge für den Asperger zu groß wird.

 

aus den Tradierungslinien von Altmeister Chen Yanxi 陳延熙 (Alter Rahmen) und von
Altmeister Chen Mingbiao 陳名標 (Neuer Rahmen) [1] von Wang Jiaxing

du_yuze_biographie_02Altmeister Du Yuze, Volljährigkeitsname Jimin 濟民, stammte ursprünglich aus der Provinz Henan 河南, Kreis Bo’ai 博愛, und wurde im 23. Jahr der Regierungsdevise Guangzhu 光緒, im Jahr 1897 der ausgehenden Qing- Dynastie, Qingmo 清末, im Jahr des Hahns, Ji 雞, Wandlungsphase Feuer, Huo 火, Himmelstamm/Erdzweigkombination Dingyou 丁酉, im 15. Jahr vor der Chinesischen Republik, am 3. September geboren.

Er war Sohn des Du Hanyan 杜諱嚴, Volljährigkeitsname Youmei 友梅, Altersname Yiqi 毅齊, später Altersname Meisou 梅叟, seinerseits geboren im 1. Jahr der Regierungsdevise Guangzhu, im Jahr 1875 der ausgehenden Qing-Dynastie, im Jahr des Schweines, Zhu 豬, Wandlungsphase Holz, Mu 木, Himmelstamm/Erdzweigkombination Yihai 乙亥. Im 29. Jahr (1898) wurde er auf Kreisebene zur Staatslaufbahn vorgeschlagen, im 30. Jahr (1899) zum Doktor des dritten Grades mit 11. Rang ernannt.

Abb. rechts: Meister Du mit Kunwu Jian 昆吾劍.

Altmeister Du war von Kindheit an klug und intelligent, wuchs unter drei Brüdern auf und erhielt in frühen Jahren Hausunterricht. Er interessierte sich sehr für das chinesische Schrifttum und konnte sehr gut schreiben. Im Jahr 1919 graduierte Meister Du von der Deutsch-Klasse der für Auslandsstudien in den USA und Europa vorbereitenden Schule in Kaifeng 開封, Henan 河南. 1925 schloss Meister Du dann ein Maschinenbaustudium an der Tongji-Universität 同濟大學 in Shanghai 上海 ab, und seine erste Beschäftigung als Ingenieur fand er bei der Firma Shichang Yili 世昌益利 in Tianjin 天津. 1927 wurde er zum Techniker in einer Waffenschmiede der drei östlichen Provinzen (die Mandschurei mit Heilongjiang 黑龍江, Jilin 吉林 und Liaoning 遼寧), wo er sich das Ansehen des Leiters Yang Jiceng 楊繼曾erwarb, so dass Meister Du im Militär eine zwar hektische, aber doch gesicherte und sehr erfolgreiche Karriere verfolgen konnte.

Nachdem die nationalistische Regierung 1949 auf die Insel Taiwan geflohen war (Mao Zedong’s Kommunistische Partei hatte den Bürgerkrieg gegen Chiang Kaishek’s Guomingdang gewonnen), gelangte auch Meister Du Yuze nach Taiwan, wo er weiterhin in einem staatlichen Rüstungsunternehmen beschäftigt war, 1960 als Rüstungsexperte in die USA geschickt wurde und 1963 sogar kommissarischer Leiter des Werkes wurde, ehe er 1964 dann in Pension ging. In seinen nahezu 40 Berufsjahren war Du Yuze immer verlässlich, zuvorkommend und pflichtbewusst, so dass er mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde, die volle Anerkennung von seinen Vorgesetzten erfahren und mit anderen zusammen sogar eine Reihe über deutsche Maschinenbau-Technik ins Chinesische übersetzt hatte.

Als Meister Du 18 Jahre alt war, hatte sein Vater den sehr berühmten Chen-Stil Lehrer Chen Yanxi 陳延熙, einen Vertreter der 16. Generation, in sein Haus ganz in der Nähe des Chen-Dorfes, in den benachbarten Flecken Jinhuazhen 清化鎮, eingeladen, wo dieser seine Söhne im Chen-Stil-Taijiquan unterweisen sollte. Der Meister selbst war ein jüngerer Sohn des Altmeisters Chen Gengyun 陳耕耘 der 15. Generation, seinerseits ein legitimer Sohn des Chen Zhangxing 陳張興.

Die Instruktionen und Anforderungen des Altmeisters Chen Yanxi waren ungemein anstrengend und herausfordernd, er unterwies den alten Rahmen in einer extrem tiefen Grundstellung, von wo aus extrem weite Öffnungen (Kaizhan 開展), aber ebenso starke Verdichtungen (Jinzou 緊奏) erfordert waren. Die Schwerpunkte seiner Instruktionen umfassten die Anleitung der Arme und Hände durch den Rumpf sowie die Integration von Rumpf, Armen, Händen und Vorstellungskraft zu einer Einheit. Beim Formentraining des Taijiquan im Chen-Dorf gab es früher eine die Figuren im Detail besonders betonende (Zhong Zhao Lianfa 重著練法) und eine das ununterbrochen verbundene Ablaufen der Figuren Übungsmethode (Buzhong Zhao Lianfa 不重著練法) [es handelt sich um Training über und in detaillierten Einzelfiguren bzw. Training von Einzelstellungen oder formentunabhängiger Bewegungsabläufe, auch dem Training von Kraft, Gongli 功力]. Die von Chen Yanxi an Du Yuze vermittelte erste Form des alten Rahmens mit 13 Stellungen lag so in etwa gerade zwischen beiden Arten, wo nicht nur die Details der einzelnen Figuren, sondern auch der Ablauf der Figuren intensiv diskutiert und trainiert wurde.

du_yuze_biographie_03Abb. links: Meister Du in der Xiaojia Position "Xie xing ao bu".

Nachdem Du Yuze die erste Form des alten Rahmens mit 13 Stellungen austrainiert und verinnerlicht hatte, erlernte er von Chen Mingbiao 陳名標, einem Neffen aus der 17. Generation von Chen Yanxi, drei Formen des Kleinen Rahmens aus der Schule des Neuen Rahmens. Dieser Stil war von Chen Youben 陳有本, einem Vertreter der 14. Generation aus dem Chen-Dorf gegründet worden, und zwar auf der Basis der Langform (Zhangquan 長拳), des Alten Rahmens, des Kanonenboxens (Paochui 炮捶) und einer ausgiebiger Kampfkunstpraxis über mehrere Jahrzehnte hinweg. Seine Verschmelzung des jeweils für essentiell Erachteten führte zur Ausbildung dieses eigenständigen Stils.

Altmeister Du Yuze konnte auf Grund dieser Gelegenheiten und ganz besonderen Umstände mehrere Übungsvarianten des Taijiquan erlernen und studieren, was sich ebenfalls auf die wirklich entscheidenden Anwendungsmethoden erstreckte. Auf Grund seiner langen beruflichen Karriere auf dem Festland China und dann hier in Taiwan aber hatte der Meister Du in 20 Jahren nicht einen einzigen Schüler aufgenommen. In Taiwan waren die Praktizierenden des Chen-Stil-Taijiquan nun aber nicht sehr zahlreich, und nur Du Yuze alleine war noch direkt von einem Mitglied der 16. Generation der Chen-Familie über einen längeren Zeitraum hin richtig ausgebildet worden, so dass man sein Wissen wirklich als besonders wertvoll einstufte. Nachdem Du dann einige Jahre schon in Taiwan gelebt und gearbeitet hatte, nutzte er die mehr werdende Freizeit konsequent aus, um ohne Unterlass ausschließlich Taijiquan zu trainieren. Er wiederholte und studierte alle ihm vertrauten Formen des Kanonenboxens ins Detail, um so nicht nur seinen Körper und seinen Geist zu üben und zu läutern, sondern auch um einen Landesschatz zu bewahren.

Nach seinem 70. Lebensjahr erst begann Meister Du Yuze öffentlich zu unterweisen, und zwar ganz idealistisch, ohne irgendwelche Studiengebühren zu verlangen. Er unterrichtete alle, die gewillt waren, seine Schulung zu durchlaufen. Diese war seiner Ausbildung nach auch recht vielfältig, obwohl er überwiegend doch eine Lehre der Allgemeinheit vertrat, die er an mehr als 100 Schüler weitergab. Darüber hinaus unterrichtete er eine Lehre an Freunde, an den General Zhu Qiping 朱其平 und an Herrn Zhou Wanfa 周萬發, eine Lehre an Lehrer und Studenten (2 Personen) und eine Lehre vom Meister zum offiziell akzeptierten Adepten. Eine offizielle Aufnahmezeremonie, mit all den chinesischen Riten des Räucherstäbchenentzündens, der Gelöbnisse mit zahlreichen Verbeugungen mit offiziellen Aufzeichnungen haben vier Personen durchlaufen:

Wang Jiaxing 王嘉祥, Tu Zongren 塗宗仁, Li Houcheng 李後成 und Cao Delin 曹德鄰.

Ausbildungsleiter_01Abb. rechts: Du Yuze mit seinen vier wichtigsten Schülern. Von links: Wang Jiaxiang 王嘉祥, Li Houcheng  李後成, Cao Delin 曹德鄰, Tu Zongren 涂宗仁.

Deren Ausbildung unterschied sich schon wesentlich von der der Allgemeinheit, denn zwischen den Adepten und dem Meister herrschte wirklich ein Verhältnis wie zwischen Vater und Söhnen. In den Anfangsjahren seiner Tätigkeit war ein solches Verhalten in Taiwan recht dubios, und diejenigen, die die wirklichen Gegebenheiten verstanden und kannten, die Eingeweihten, waren wirklich nicht viele. Denn das absolute Wissen eines Meistes seiner Generation war früher nun tatsächlich für Überleben und Untergang entscheidend und war niemals leichtfertig weiter gegeben worden. So muss es letztlich dann noch als ganz glücklich angesehen werden, dass in den späten Jahren im Leben des Altmeisters Du Yuze die Tradition fortgesetzt werden konnte. Obwohl nur vier wirklich aufgenommene Indoor-Adepten in sein Lehrsystem voll einweiht worden waren, so blieb es der Nachwelt doch erspart, unter großem Seufzen das Verlorengehen eines solchen Wissen bedauern zu müssen.

Die Tochter von Meister Du Yuze, Du Wan 杜婉, schrieb in einem Aufsatz <Regen und Wind, Erinnerungen an die Eltern>, sich zurück besinnend: „Jeden Tag, noch vor Morgengrauen, an die Chiang Kaishek-Gedächtnis-Halle gehend, hat mein Vater anfangs nur einige Übenden beratend unterwiesen. Weil aber eine Reihe von Übenden wegen Veränderungen ihrer Arbeitsumstände die Übung des Taijiquan auf halbem Wege unterbrechen mussten, so seufzte mein Vater oft und befürchtete ganz ernsthaft, dass dieses wundersame Blüte des großartigen Taijiquan wegen mangelnder Nachfolgerschaft nicht weiter tradiert werden würde und verloren gehen könnte. Glücklicherweise aber konnte mein Vater noch im Herbst seines 79. Lebensjahres Wang Jiaxiang offiziell als Indoor-Schüler aufnehmen, im Winter seines 80. Lebensjahres folgten dann Tu Zongren, Li Houcheng und Ceng Delin nach. Diese vier offiziell akzeptierten und aufgenommenen Adepten wurden in allen Bereichen des Taijiquan unterwiesen, die mein Vater in seinem Taiji-Leben von über 75 Jahren erlernt und studiert hatte. Nach weiteren 14 Jahren dann haben diese Indoor-Schüler ihrerseits bereits offiziell Adepten aufgenommen, die sogar selbst schon unterweisen, so dass vier Generationen von Übenden unter einem Dach praktizieren. Die Faustkampfkunst wird also weiter gepflegt und tradiert, weiter verbreitet und von Generation zu Generation vermittelt. Die Kunst lebt weiter, und man kann sagen, dass es nichts zu bedauern gibt.“

Endoten
[1] Es kommt immer wieder zu Unklarheiten bezüglich den Bezeichnungen der einzelnen Stilarten, so auch in diesem Artikel. Im Dajia wird vermutlich seit der Chen Fake (und Chen Zhaokui) Xinjia-These auch immer wieder Chen Zhangxings (und Chen Yanxis) Methode als Laojia (alter Rahmen) bezeichnet, wahrscheinlich, um zwischen der Zeit vor Chen Fake zu differenzieren. Zur Behauptung, dass Chen Youben einen sogenannten neuen Rahmen (Xinjia) kompiliert haben könnte, sind keine relevanten Aufzeichnungen verfügbar, die diese These untermauern könnten. Die Chen Stammhalter und Nachfahren von Chen Youbens Tradierung verneinen die diesbezügliche Xinjia-These eindeutig.
Eine erklärende Graphik findet sich in der Endote dieses Artikels: http://die-pagode.de/de/wissenswertes/106/218-chen-stil-taijiquan-in-taiwan

© 2006, Dr. Hermann G. Bohn für cultura martialis

Erstmals erschienen im Wulin Nr.11 (16. Sept. - 15. Dez. 2002), Taiwan.
Übersetzung: Dr. Hermann G. Bohn. Fotos: © W.Jiaxiang, T. Zongren, D.Stubenbaum

Der Orginalartikel ist in Heft 8 des Kampfkunstjournals cultura martials enthalten. http://die-pagode.de/de/publikationen

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Die lückenlose Überlieferung von Festland China nach Taiwan

In den letzten Jahren ist aus dem einst so respektablen Chen-Stil-Taijiquan, Chenshi Taijiquan 陳式太極拳, eine ganz pragmatische Lehre geworden, im Inland und Ausland als Trend weit verbreitet. Die Traditionslinien des Chen-Stil-Taijiquan in Taiwan sind alle mehr oder weniger zur Zeit des Regierungswechsels in der VR China (1949) und dem Rückzug der Guomingdang-Kader nach Taiwan auf die Insel gelangt. Obwohl die damals übersiedelten Traditionshalter nur wenige waren, so sind sowohl die Hauptform des Chen-Stils mit 13 Stellungen aus dem Alte Rahmen, Laojia 老架, die Form des Neuen Rahmens, Xinjia 新架, und des Kleinen Rahmens, Xiaojia 小架, sowie deren zweite Formen des Kanonen-Boxens, Paozhui 炮( 炮) 捶, vollkommen und ohne Lücken überliefert worden.

Hier eine kurze Auflistung der in Taiwan anfänglich aktiven Vertreter des Chen-Stils, die nach außen hin einem größeren Publikum bekannter geworden sind:

Meister Du Yuze 杜毓澤, Schüler von Altmeister Chen Yanxi 陳延熙 aus der 16. Generation, und Chen Mingbiao 陳名標 aus der 17. Generation des Chen-Dorfes, Chenjiagou 陳家溝, von denen er den Großen Rahmen, Dajia 大架und den Neuen Rahmen erlernt hatte [1].

Meister Wang Helin 王鶴林, Schüler von Altmeister Chen Fusheng 陳福生 (Fake 發科), von dem er den Großen Rahmen erlernt hatte.

Meister Pan Yongzhou 潘詠周, Schüler von Altmeister Chen Fusheng (Fake), von dem er den Großen Rahmen erlernt hatte.

Meister Wang Jinrang 王晉讓, Schüler von Altmeister Chen Yingde 陳應德, von dem er den Kleinen Rahmen nach Altmeister Chen Qingping 陳青萍 erlernt hatte.

Meister Guo Qingshan 郭青山, Schüler von Altmeister Chen Shengsan 陳省三, von dem er den Neuen Rahmen erlernt hatte.

Meister Wang Mengbi 王夢弼, Schüler von Altmeister Chen Fusheng (Fake), von dem er den Neuen Rahmen erlernt hatte.

chen_stil_taijiquan_in_taiwan_01Abb. links: Wang Mengbi 王夢弼, Guo Qingshan 郭青山, Du Yuze 杜毓
澤, Wang Helin 王鶴林, Pan Yongzhou 潘詠周.

Chen-Stil-Taijiquan ist eine große Schule mit einer umfangreichen Lehre, die aber ebenfalls mit einer ganzen Reihe von großen Problemen behaftet ist.

Diese sind sicherlich nicht mit ein paar Worten oder Sätzen und auch nicht mit ein paar Berichten in Magazinen und Periodika zu klären bzw. abzuhandeln. Sehr wahrscheinlich verhält es sich ähnlich wie mit anderen Schulen (z.B. der Kranich-Methode, Hefa 鶴法), bei denen die Klärung eines Problems dazu führt, dass ein anderes aufgeworden wird. So wurde über diesen in Taiwan weit verbreiteten Stil wiederholt und immer wieder aus anderen Perspektiven heraus diskutiert, ohne dass eine endgültige Klärung bestehender Fragen abzusehen wäre. Trotzdem aber hoffen wir alle, dass solche Diskussionen wenigstens Teilbereiche klären helfen, und vielleicht dann irgendwann doch noch zu einer Gesamtlösung der zahlreichen Probleme führen werden.

Gewöhnlich beginnen solche Diskussionen in Kampfkunstkreisen mit der Unterscheidung von Generationen in den Überlieferungen, die uns zunächst einmal daran erinnern, die jeweiligen Altmeister und ihre traditionellen Theorien sowie praktische Wege zu respektieren. Natürlich sollte dies aber nicht verhindern, dass im Sinne einer auf Tatsachen basierenden Forschung alle zugänglichen historischen Quellen sorgfältig studiert werden müssen. Dies wiederum soll aber nicht bedeuten, dass ältere Belege unbedingt besser oder gar wahrhafter sind.

Auf Grund der vorliegenden Quellen wurde beschlossen, die Tradierungslinien von den vier Altmeistern Du Yuze, Wang Helin, Pan Yongzhou und Wang Jinrang weiter zu verfolgen, wobei zwei Punkte zu berücksichtigen sind:

1. Da von den zwei Altmeistern Guo Qingshan und Wang Mengbi bisher keine Nachfolger ausfindig gemacht werden konnten, wurden sie in der vorliegenden Darstellung nicht berücksichtigt. Sollten deren Nachfolger oder andere Vertreter deren Linien beleuchten können und an diesem Projekt teilzunehmen wünschen, so würde dies uneingeschränkt berücksichtigt werden.

2. Hier werden die Unstimmigkeiten zwischen dem Chen-Stil-Taijiquan und dem Zhaobao-Taijiquan 趙堡太極拳 ausgegliedert, so dass die Zhaobao-Linie von Altmeister Wang Jinrang ohne weitere Einschränkungen in den Forschungsbereich mit aufgenommen werden kann.

Zunächst werden hier die Biographien der beiden Altmeister Du Yuze und Wang Helin dargestellt, danach folgen dann die Lebensgeschichten von Altmeister Wang Jinrang und Pan Yongzhou. Dieser Reihenfolge liegen ausdrücklich keinerlei besondere Ursachen zu Grunde. Vielmehr wird einfach nach den zuerst zugänglichen Materialien verfahren, was für die Edition der Serie einfach die praktischere Verfahrensweise war.
Nach einer ersten Einsicht der Quellen wurden zunächst nachfolgende und grundlegende Forschungsrichtungen und Fragestellungen festgelegt:

1. Von den Tradierungen der Kampfkünste aus dem Chen-Dorf ausgehend soll das in Taiwan überlieferte Chen-Stil-Taijiquan untersucht werden.

2. Als Zentrum und grundlegende Besonderheit des Chen-Stil-Taijiquan wird das Chansi 纏絲, das Abwickeln des Seidenfadens vom Kokon, die Seidenübungen, angesehen.

3. Die hervorragenden Persönlichkeiten aus dem Chen-Dorf wurden größtenteils von frühester Jugend an in der Faustkampfkunst unterwiesen. Wie nun ist dieses Training im Chen-Stil-Taijiquan vom Kindesalter Jahren an konzipiert? Wie verlaufen die Prozesse und Fortschritte des Faustkampftrainings prinzipiell?

4. Wie lassen sich die grundlegenden Prinzipien des ursprünglichen Chen-Stil-Taijiquan charakterisieren?

chen_stil_taijiquan_in_taiwan_02Abb. rechts: Fünf der sechs großen Chen-Stil-Meister in Taiwan, von links nach rechts: Guo Qingshan, Pan Yongzhou, Du Yuze, Wang Jinrang, Wang Mengbi (es fehlt: Wang Helin).

Da die genannten Altmeister bereits alle verstorben sind, ist es wirklich unmöglich, Informationen aus erster Hand, von Angesicht zu Angesicht zu bekommen. Weil aber die jeweiligen, offiziell aufgenommenen Schüler bis in die Gegenwart hinein in eigenen Aufsätzen ihrer Lehrer und deren Fertigkeiten gedenken, muss die respektvolle Verehrung dieser Altmeister hier nicht weiter berücksichtigt werden. Eine Zusammenfassung der in so zahlreichen Aufsätzen enthaltenen Informationen würde darüber hinaus nicht nur keine neuen Erkenntnisse beinhalten, sondern bestimmt eine oft unangemessene Verkürzung bzw. Vereinfachung mit sich bringen, die die Bedeutungen dieser Dokumente verfälschen und letztlich ihren Wert mindern würden. So ein Resultat wäre nun aber überhaupt nicht im Interesse von uns allen, so dass darauf verzichtet werden muss.

Wegen der oben aufgeführten Überlegungen werden also nur Informationen von direkten Erben der Altmeister, den Hauptschülern und Linienhaltern, bzw. direkt aus den Federn der Altmeister selbst stammende Aufsätze und Schriften berücksichtigt, die nur etwas erläutert und editiert wieder gegeben werden. Darunter befinden sich einige bereits veröffentlichte, aber nicht weit verbreitete oder bisher gar nicht veröffentlichte Quellen, die der jetzige Generation von Chen-Stil-Taijiquan Lernenden einen direkten Blick auf die Altmeister werfen lassen und als klassisch-historische Quellen einen besonderen Schatz darstellen.

Endoten
[1]Da es immer wieder zu Unklarheiten bezüglich den Bezeichnungen der einzelnen Stilarten kommt soll die Abbildung unten hier nochmals Klarheit schaffen. Im Dajia wird vermutlich seit der Chen Fake (und Chen Zhaokui) Xinjia-These auch immer wieder Chen Zhangxings (und Chen Yanxis) Methode als Laojia (alter Rahmen) bezeichnet, wahrscheinlich, um zwischen der Zeit vor Chen Fake zu differenzieren. Zur Behauptung, dass Chen Youben einen sogenannten neuen Rahmen (Xinjia) kompiliert haben könnte, sind keine relevanten Aufzeichnungen verfügbar, die diese These untermauern könnten. Die Chen Stammhalter und Nachfahren von Chen Youbens Tradierung verneinen die diesbezügliche Xinjia-These eindeutig.

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Fortsetzung Artikel: Biographie von Altmeister Du Yuze 杜毓澤

Erstmals erschienen im Wulin Nr.11 (16. Sept. - 15. Dez. 2002), Taiwan.
Übersetzung: Dr. Hermann G. Bohn. Fotos: © W.Jiaxiang, T. Zongren, D.Stubenbaum

© 2006, Dr. Hermann G. Bohn für cultura martialis

Der Orginalartikel ist in Heft 8 des Kampfkunstjournals cultura martials enthalten. http://die-pagode.de/de/publikationen

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ajg-gruppenfoto

von Thomas Strube 

Seit Beginn des Schuljahres 2011/2012 wird am Arnold-Janssen-Gymnasium Chenstil-Xiao-Jia-Tai-Ji-Quan nach Dietmar Stubenbaum sowohl als AG für die Mittelstufe als auch als Unterrichtsfach für die Oberstufe angeboten.

Wie kommt es dazu, dass eine katholische Privatschule Tai-Ji-Quan und speziell den Xiao-Jia des Chenstils anbietet? 

  • Seit mehreren Jahren nimmt die Zahl der Jugendlichen, die mit Problemen des Bewegungsapparates in medizinischer Behandlung sind, stetig zu.
  • Sportlehrer an Schulen klagen zunehmend über mangelnde motorische Fähigkeiten in den unteren Klassenstufen.
  • Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die an Konzentrationsschwäche bis hin zu Migräne leiden, und daher nur unzureichend dem Unterricht folgen können, wächst stetig.
  •  

In einer großen Anzahl medizinischer Studien konnte nachgewiesen werden, dass das regelmäßige Üben von Tai-Ji-Quan sich positiv auf den ganzen Bewegungsapparat und das vegetative Nervensystem auswirkt, Haltungsschäden vorbeugt bzw. mindert, Stresssymptome reduziert und insgesamt eine ausgleichende Wirkung auf Körper und Geist und Seele hat. 

Daher wurde im Saarland das Projekt „Tai Chi an saarländischen Schulen“ ins Leben gerufen. 

Da gesunde Psyche und Physis Grundvoraussetzungen für den schulischen und später auch beruflichen Erfolg der Kinder und Jugendlichen sind, hat unsere Schule sich im Schuljahr 2010/2011 zum ersten Mal als „Pilotschule für Tai Chi Chuan“ beworben. 

Das Konzept dazu wurde von mir, Mathematik- und Physiklehrer an dieser Schule, zusammen mit der Schulleitung entworfen. 

Für die Schüler der Klassenstufe 5 engagierten wir Herrn Ralph Schäfer-Lösch, einen ortsansässigen Tai-Ji-Lehrer, der wöchentlich jede Klasse 1 Stunde in Tai-Ji-Quan unterrichtete. Ich selbst unterrichtete die Klasse 9c, welche freiwillig zusätzlich zu ihrem normalen Stundenangebot noch eine Stunde Tai-Ji-Quan in ihren Stundenplan aufnahm. Weiterhin bot ich für Oberstufenschüler das Seminarfach „Tai-Ji-Quan“ an, in welchem die Schüler Tai-Ji-Quan nicht nur von der praktischen Seite kennen lernen, sondern auch etwas über die medizinischen, philosophischen und historischen Hintergründe des Tai-Ji-Quans erfahren sollten.

s_thomasFür mich stellte sich nun die Frage, welchen Stil und welche Form ich in den Klassen unterrichten sollte. Da ich auf keinerlei Erfahrung im Unterrichten von Tai-Ji-Quan mit Schülern zurückblicken konnte, wählte ich die Form, mit der ich selbst mein Studium des Tai-Ji-Quans begonnen habe: die Pekingform, in China meist einfach 24er Form genannt.
Der Vorteil dieser Form ist, dass alle Bewegungen standardisiert sind und ich so den Schülern auch klare Standards an die Hand geben konnte, an denen sie sich orientieren konnten. Denn im Unterschied zu dem Unterricht in der Unter- und Mittelstufe, wo Tai-Ji-Quan für die Schüler ein Zusatzangebot war, war es für die Oberstufenschüler abiturrelevant und somit musste ich ihre Leistungen auch bewerten.
Gegen Ende des Schuljahres kamen die zukünftigen Oberstufenschüler von sich auf mich zu und fragten, ob ich auch in diesem Schuljahr das Seminarfach „Tai-Ji-Quan“ anbieten würde. 

Da die Resonanz der teilnehmenden Schüler und auch der betroffenen Eltern durchweg positiv war (siehe z.B. den Bericht von Niklas, Schüler der Klasse 9c: ( http://www.ajg-wnd.de/news.php?id=arUCQqm ) hatte sich unsere Schulleitung entschieden, sich erneut um einen Platz als Modellschule zu bewerben. 

Da sich das Unterrichten der Schüler der Klassenstufe 5 durch einen externen Lehrer bewährt hatte, übernahmen wir das Modell auch für das laufende Schuljahr. Ich entschied mich allerdings aufgrund der Erfahrungen während des Schuljahres 2010/11 einen traditionellen Stil anzubieten. Die Lerngruppen, welche ich im vergangenen Jahr in Tai-Ji-Quan unterrichtete, begeisterten sich vor allem für 3 Aspekte des Tai-Ji-Quans: 

  • Zu sehen, dass man die „scheinbar so friedlichen“ (O-Ton einer Schülerin) Bewegungen zur Selbstverteidigung einsetzen kann.
  • Die Formen in wechselnden Geschwindigkeiten auch mal dynamisch zu üben
  • Die Möglichkeit durch Tai-Ji-Quan und ähnliche Übungsformen innerlich zur Ruhe kommen zu können
  •  

Am geeignetesten von den Stilen und Formen, die ich übe, schien mir daher der Chenstil Xiao Jia, den ich seit 2007 bei Dietmar Stubenbaum erlerne und hier insbesondere die von Chen Pei Shan entwickelte „Si Zheng“-Kurzform. So bleibt genügend Zeit um neben dem Ablauf der Form, der für die Zielsetzung des Projektes keine große Relevanz besitzt, insbesondere auf die oben genannten Aspekte eingehen und den Schülern die inneren Prinzipien des Tai-Ji-Quans näher bringen zu können. Das große Interesse vieler Schüler gerade an diesem Aspekt des Tai-Ji-Unterichts war für mich vielleicht die größte Überraschung im vergangenen Schuljahr. 

Nach Rücksprache mit Dietmar Stubenbaum startete ich im August mit dem Unterricht im Chenstil Xia Jia und meine bisherigen Erfahrungen bestätigen mir eine gute Wahl getroffen zu haben.
Statt an dieser Stelle meine eigenen Erfahrungen zu schildern, möchte ich Alison Kuhn, Schülerin der Klassenstufe 11 und Teilnehmerin am Seminarfach Tai-Ji-Quan sowie Andreas Becker, Schüler der Klassenstufe 9 und Teilnehmer an der AG Tai-Ji-Quan zu Wort kommen lassen! 

Bleibt vielleicht noch die Frage nach dem Nutzen des Tai-Ji-Quan Unterrichts an Schulen.

  • Natürlich kann man nicht erwarten, alle Schüler für Tai-Ji-Quan begeistern zu können. Aber allein die Tatsache, dass ca. 10 Prozent aller teilnehmenden Schüler mir erzählten, dass sie endlich keine oder wesentlich weniger Rückenschmerzen haben seit sie Tai Ji Quan üben.
  • Eltern mir davon berichteten, dass ihr Kind seitdem ruhiger wurde und mit Schulstress besser umgehen kann.
  • Schüler mir voller Freude erzählten, dass das Tai-Ji-Quan-Training ihnen half auch in ihrer eigenen Sportart besser zu werden.

sollte Grund genug sein, dass Tai-Ji-Quan seinen Platz im Unterrichtskanon einer Schule findet.
Einen weiteren Aspekt, der mir erst während des vergangenen Schuljahres klar wurde, möchte ich noch erwähnen: Tai-Ji-Quan bietet auch Schülern, die weder sportlich noch intellektuell mit dem Gros der anderen Schüler mithalten können, Gelegenheit sich in der Klasse ein wenig Respekt zu erarbeiten. 

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass es gemäß meiner Erfahrungen unabdingbar ist, dass die Lehrkraft, welche Tai-Ji.Quan in einer Schulklasse unterrichtet, auch ein gewisses Maß an „Gong Fu“ – durch langjähriges, kontinuierliches Üben gewonnene Fertigkeiten – im Tai-Ji-Quan besitzt. Schüler haben ein sehr gutes Gespür dafür, ob ein Lehrer authentisch ist, und gerade bei solch einem exotischen Fach ist Authentizität der Lehrkraft ein entscheidendes Kriterium, ob sie sich von dem Nutzen des Tai-Ji-Quan-Übens überzeugen lassen oder nicht.

Tai Chi - das neue Seminarfach

von Alison Kuhn und Janina Becker

Erdkunde, Sport, Bildende Kunst…Tai Chi?

Sicherlich wurden so manche Augenbrauen hochgezogen, als bekannt wurde, dass das  neue Seminarfach des Arnold-Janssen-Gymnasiums Tai Chi sein würde. Doch auch eine konservative katholische Privatschule braucht ab und an frischen Wind, der in diesem Fall als das neue Seminarfach auf uns zu kam.

Die Schüler der Klassenstufe 11 kamen mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen in die erste Stunde, welche in der hiesigen Turnhalle stattfinden sollte.

Doch auch wenn manch einer Tai Chi bis zu diesem Zeitpunkt für ein chinesisches Nudelgericht gehalten hatte, verließ fast jeder die Halle mit einem interessierten oder sogar faszinierten Gefühl. Nicht ganz unschuldig daran war unser neuer ‚Tai Chi – Meister’ Thomas Strube, alias Mathematik - und Physiklehrer Thomas Strube.

Dieser erzählte uns nicht nur von den zahlreichen gesundheitlichen Aspekten des Tai Chi, sondern begann direkt in der ersten Stunde, uns die Praxis näher zu bringen. Wir alle empfanden dies als erfrischende Abwechslung zum tristen Schulalltag und gewannen nicht nur zitternde Knie (durch die Übung „stehende Säule“, die uns noch lange danach begleiten würde), sondern auch einen Gesamteindruck unseres neuen Seminarfachs, welches doch tatsächlich geschafft hat, in uns Schülern Interesse zu wecken. Zwar war uns bewusst, dass wir, wie auch in jedem anderen Seminarfach Referate halten, Hausarbeiten schreiben und in diesem Fall zusätzlich noch zu Hause die Übungen praktizieren mussten, doch erschien es uns als weitaus größerer Reiz, mal etwas Neues zu erlernen, als immer wieder mit den gleichen Stoffen konfrontiert zu werden.

Von Stunde zu Stunde lernten wir etwas mehr über „Tai Chi“ und auch über uns selbst, da die Übungen die individuellen Schwächen und Stärken unserer Körper aufwiesen, welcher wir uns oft nicht mal bewusst waren. Von Standübungen kamen wir zum „richtigen“ Gehen (nicht wie gewohnt bucklig und mit hängenden Schultern, sondern mit geradem Rücken und nach vorne angehobenen Füßen) und gingen von dort aus über zu Armbewegungen und Partnerübungen. Ein Außenstehender würde sich sicher darüber wundern, warum wir die Turnhalle am Ende der Stunde oft verschwitzt oder zitternd verlassen, doch erst beim persönlichen Durchführen der Übungen merkt man, wie viel diese abverlangen; denn das langsame Ausführen ist viel anstrengender als gewöhnlich gedacht wird. Eine weitere neue Erkenntnis, die uns Herr Strube nahe gebracht hat, ist, dass Entspannung oftmals viel effektiver als Anspannung ist und eine bessere Wirkung erzielt. Dies lässt sich nach der Philosophie des Tai Chi nicht nur auf den Körper, sondern auch auf den Geist übertragen, wie auch das Tai Chi - Symbol Yin und Yang verdeutlicht.

von Andreas Becker (15 Jahre alt)

Als ich zum ersten Mal meinen Lehrer, Herr Strube, das Tai Chi ausüben sah, ging es mir wie vielen anderen Schüler – ich musste schmunzeln. Doch trotzdem erweckte es in mir ein großes Interesse. Zu Beginn war ich doch noch etwas skeptisch, ob dies wirklich einen großen Erfolg mit sich brachte, aber ich wollte diese Kampfkunst einfach verstehen. Außerdem meinte Herr Strube, dass ich durch wöchentliches Training auch meine Leistungen in meiner Hauptsportart Downhill, eine Form des bergab Fahrrad fahren, verbessern kann. Nach einigen Stunden Training konnte ich nun auch schon etwas besser die Kampfkunst verstehen und somit war mein erstes Ziel erreicht. Aber auch meine Konzentration beim Rad fahren wurde gestärkt, was sich bei darauf folgenden Rennen bemerkbar machte. Ebenfalls bereiteten mir die Stunden mit meinem Lehrer und meinen Freunden schon viel Spaß, was zusätzlich verbrachte Stunden in der Schule vergessen macht. 

Bericht von von Nikolas Schön unter:

http://www.ajg-wnd.de/news.php?id=arUCQqm

 

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Newsflash

Empfehlung!!!

2017 Journal fuer chinesische Kampfkunst und Kultur 350

Wie ihr Name schon sagt, ist die Gesellschaft zur Erforschung und Praxis des Kleinen Rahmen Chen Clan Taijiquan e. V. bestrebt die Erforschung und Praxis dieses ursprünglichen Taijiquan zu fördern.

Publikationen die Taijiquan-Enthusiasten ein größeres Spektrum an Informationen, und einen tieferen Einblick in diese Kunst gewähren sollen, gehören mit zur gemeinnützigen Arbeit des Vereins. 

In der ersten Ausgabe des Magazins "Journal für chinesische Kampfkunst und Kultur" findet der Leser erstens eine Serie von kleinen Artikeln um Meister Wang Jinrang (Übersetzungen aus dem chinesischen von Dr. Bohn), zweitens eine Serie von kleinen Artikeln um Chen Fusheng alias Chen Fake (Übersetzungen aus dem Chinesischen von Dr. Bohn), sowie drittens einen Artikel von Dr. Julian Braun zur chinesischen Kampfkunst (Literatur) in Japan.

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung: Stile und Stilbezeichnungen im Taijiquan

2. Das Chen-Stil Taijiquan in Taiwan

3. Großmeister Wang Jingrang´s eigene Bemerkungen zu seinem Lernprozess im Zhaobao-Stil Taijiquan, Kleiner Rahmen, anlässlich seines 80. Geburtstages.

4. Die Tradierungslinie des Zhaobao Taijiquan in Taiwan

5. Großmeister des Chen-Stil-Taijiquan, Kleiner Rahmen: Wang Jingrang

6. Die besondere Characteristik der Jin-Kraft im Zhaobao Taijiquan

7. Meister Zheng Guohui´s Erfahrungen beim Erlernen des Chen-Stil Taijiquan, Kleiner Rahmen bei Großmeister Wang Jingrang

8. Biographie von Altmeister Wang Helin aus der Tradierungslinie des Großen Rahmens, Dajia von Altmeister Chen Fusheng (alias Chen Fake)

9. Altmeister Wang Helins eigene Notizen zu seinem Leben

10. Kurzbiographie von Großmeister Chen Fusheng (alias Chen Fake)

11. Die Liebe zum Taijiquan-Erinnerungen an Meister Chen Fusheng (alias Chen Fake)

12. Wushu, nicht bujutsu: Eine bibliographische Annäherung an chinesische Kampffkunst in Japan

14. Buchrezension: Über Land-Begegnungen im neuen China von Peter Hessler

 

Das Journal kann unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellt werden. 

Der Preis beträgt inklusive Verpackung und Versand innerhalb Deutschlands 14,- Euro. Versand erfolgt mit beiliegender Rechnung. Vereinsmitglieder erhalten das Journal gratis.

Webseite des Vereins: www.chenxiaojia.org 

Viel Spaß beim Lesen!

Seminar mit Meister Chen Peishan in Italien 2017

2017 Seminar Chen Peishan Neapel 400Vom 29. April bis 1. Mai 2017 findet ein Seminar mit Meister Chen Peishan in Neapel (Italien ) statt. 

Ort:
PALAZZETTO FIVAP
Via Matilde Serao
Caravita (Cercola) - Napoli 

Seminarinhalt voraussichtlich (muss noch bestätigt werden):

Samstag 29. April: 09:30-12:30 Uhr Sizheng Taijiquan Sequenz

Samstag 29. April: 14:00-17:00 Uhr Sizheng Taijiquan Sequenz

Sonntag 30. April: 09:30-12:30 Uhr Sizheng Schwert (Sizheng Taijiquan)

Sonntag 30. April:  14:00-17:00 Uhr
Yilu Sequenz

Montag 1. Mai: 09:30-12:30 Uhr
Yilu Sequenz

Montag 1. Mai: 14:00-17:00 Uhr
Tuishou
  

Information und Anmeldung:

Carmela Filosa E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Anmeldeschluss: Mitte März

News from Japan

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Dear Friends

On behalf of the International Society of Taijiquan, we are very pleased to inform you that the FESTIVAL OF THE INTERNATIONAL SOCIETY OF CHEN TAIJIQUAN (ISCT) 2018 will be held in Japan. The festival is scheduled from August 8-12th, 2018. Now, we are doing our best to arrange a beautiful and best place near Tokyo.

The ISCT2018 will be the 6th big event, and it will be an important and meaningful event, bringing together members who love Taijiquan, health and peace from all over the world. The ISCT 2018 will be a great opportunity for us to exchange skills, share the happiness and culture of Taijiquan. You may meet your old friends and make new friends in the events, study forms of Taijiquan, and exchange ideas for the development of Taijiquan around your area.

Japan is a peaceful and beautiful country, and the year 2018 will be shortly before the 2020 Tokyo Olympic Games, and it will be the best time for sports and culture exchange. We believe that it is your best opportunity to travel to Japan for Taijiquan studying, sightseeing and culture experience.

The rough plan of the festival:

 Aug. 08th (Wed.) - 12th : Demonstrations & Workshops

 Aug. 13th (Mon.) - Sightseeing / or other action/ training

 Aug. 14th (Tue.) - Closing

We are looking forward to seeing you in Japan in 2018.
We will send the detail information about the ISCT2018 in the coming months.
Please arrange your schedule for the big event, the ISCT2018.

Chairman: Peishan Chen, Peiju Chen 
President of ISCT: Dietmar Stubenbaum
Executive Committee Chair: Kiyoshi Shinozaki

Das neue Buch von Meister Chen Peishan ab Mitte Juli 2016 in Japan erhältlich

publication Chen Peishan book 2016Chen-Clan Taijquan - Chen Peishan 

In direkter Tradition des Begründers des Taijiquan - Das Standard-Werk zu Geschichte, Theorie und Technik des Chen-Clan Taijiquan

Sprache: Japanisch

Von der Theorie bis zur Anwendung, genau erklärt und leicht verständlich
Teil 1: Grundlagen des Chen Taijiquans
Teil 2: Xiao jia Yilu
Teil 3: Xiao jia Erlu
Teil 4: Partnerübungen / duilian und Kampfanwendungen
Darstellung der taolu mit 2241 Fotos, so dass die Bewegungsrichtungen gut nachvollziehbar sind
Hardcover, 535 Seiten
 
Eine Kompilation des Chen-Clan Taijiquan für das 21te Jahrhundert, entwickelt mit der Idee es „hundert Jahre benutzen zu können"